Folge 17 - Was macht eigentlich ein Stadtarchivar?

Shownotes

In dieser Folge von „WT doppelt hört besser“ gibt Stadtarchivar Ingo Donnhauser spannende Einblicke in die Vergangenheit von Waldshut-Tiengen und erklärt, wie Geschichte bewahrt, erforscht und zugänglich gemacht wird. Dabei geht es nicht nur um alte Dokumente, sondern auch um die Zukunft des Archivs: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Archivarbeit?
Eine Folge für alle, die wissen wollen, wie unsere Geschichte lebendig bleibt – und was moderne Technologien damit zu tun haben.

Transkript anzeigen

00:00:10: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge unseres Podcasts.

00:00:13: WT-Doppelt hört besser.

00:00:16: Heute nehme ich euch mit, gedanklich ins Stadtarchiv von Walzutingen!

00:00:22: Mein Gast ist Stadtarchivar Ingo Donhauser.

00:00:25: seit dreizehn Jahren ist er hier für uns tätig und was er eigentlich genau macht ob gewisse Vorurteile gegenüber einem Archivat zutreffen oder auch nicht das alles werde ich jetzt mit ihm besprechen.

00:00:36: Herr Donhausser schön dass sie bei uns sind.

00:00:39: Ja, danke für die Einladung.

00:00:40: Hallo!

00:00:41: Sehr gerne Herr Donhauser.

00:00:42: ich habe es eingangs schon gesagt.

00:00:44: also ich glaube so ein Laie der stellt sich unter dem Stadtarchiv war jemanden vor der so den ganzen Tag in einem vielleicht auch schlecht ausgeleuchteten Kämmerchen sitzt alte Dokumente sich anschaut.

00:00:55: ja wiefern trifft das vielleicht sogar zu oder trifft eben gerade gar nicht mehr zu?

00:01:01: Ja also völlig falsch ist die Vorstellung jetzt nicht.

00:01:06: Im Archiv hat man naturgemäß mit alten Dokumenten zu tun.

00:01:10: Das ist natürlich auch das, womit ich mich dann hauptsächlich Tag ein Tag aus.

00:01:14: beschäftige Lichtverhältnisse ja.

00:01:18: Man muss natürlich auch des archiv gut vor Tageslicht gut schützen dass es nämlich sehr schädlich fürs Papier.

00:01:24: Insofern ist es bei mir vielleicht auch in der Tat dunkler als jetzt den anderen Büros.

00:01:30: Aber ja gute alte Dokumente ist natürlich immer nur Interpretationsfrage, was überhaupt alt ist.

00:01:38: Wenn man sich jetzt vorstellt dass ich vor allen Dingen mit uralten Sachen als mittelalterlichen Urkunden oder so zu tun habe.

00:01:45: das ist dann tatsächlich eine falsche Vorstellung.

00:01:49: also solche Unterlagen haben wir auch.

00:01:51: die Überlieferung geht Mitte des vierzehnten Jahrhunderts bei uns los aber es insgesamt dann doch der kleinere Teil unserer archivischen überlieferungen Der Großteil der Bestände so haben gesagt, er stammt eigentlich aus dem neunzehnten und am zwanzigsten Jahrhundert.

00:02:10: Teilweise haben wir also gar nicht so wenige Unterlagen im Haus die erst ein paar Jahrzehnte oder teilweise sogar erst wenige Jahre alt sind.

00:02:21: Mit denen habe ich dann eben den lieben langen Tag lang zu tun.

00:02:27: jetzt nicht in dem Sinne dass sich da permanent Recherchen machen würde also die wirklich intensiv studieren würde.

00:02:34: Bei mir ist ja mehr die Aufgabe, eigentlich die Hintergrundarbeit sowie die vorbereitenden Tätigkeiten auszuführen für die Leute, die dann zu mir ins Archiv kommen um mit den Quellen zu arbeiten und sie zu benutzen.

00:02:51: die ganze Erschließungsarbeit, dass das auffindbar machen von den Unterlagen.

00:02:56: Also katalogisieren beispielsweise oder?

00:02:58: Ja,

00:02:58: das ist der sogenannte Verzeichnung dann genau.

00:03:01: Die technische Bearbeitung auch um das Archiv gut zu schützen vor wie gesagt diversen schädlichen Einflüssen, Tageslicht, Wärme, schwankende Temperaturen, Feuchtigkeit Staub, Tiere alles mögliche.

00:03:15: Das muss natürlich auch alles gemacht werden.

00:03:17: Und dann ist eben wie gesagt das Wichtigste an für sich, dass man ja, dass das Archiv gut auffindbar macht.

00:03:28: Also wir haben ein Computerprogramm, das speziell dafür entwickelt ist.

00:03:32: Da kommen

00:03:33: wir noch drauf genau.

00:03:35: Das Ziel ist natürlich möglichst viele Leute dann ins Archiv auch zu holen dass sie sich interessieren für die Stadtgeschichte und dann auch selber einfach Einsicht nehmen, das was wir da so zu bieten haben.

00:03:47: Ich leiste quasi die Vorarbeitung.

00:03:49: Super!

00:03:50: Ich finde hat man jetzt schon einen sehr kompakten Eindruck bekommen, was mich aber auf jeden Fall auch interessiert und sicherlich auch unsere Zuhörerinnen und Zuhörer wie Wird man Stadtarchivar und wie sind Sie ganz speziell Stadtarchiva geworden?

00:04:05: Denn klar, ich stelle mir vor, sie sind jemand der Interesse an Geschichte mitbringt.

00:04:09: Wahrscheinlich auch in die Richtung einen Studium abgeschlossen hat.

00:04:13: aber warum wird man Stadt archiver?

00:04:16: Ja also das Interesse für Geschichte muss natürlich schon vorhanden sein.

00:04:20: ja dass war bei mir an sich tatsächlich, soweit ich mich zurück erinnern kann der Fall.

00:04:26: Also ich bin damit gewissermaßen aufgewachsen.

00:04:29: mein Vater war Geschichtslehrer und

00:04:32: wenn wir

00:04:32: zum Beispiel immer im Urlaub gewesen sind in irgendwelchen Orten dann hat er so ganz selbstverständlich dann spontan über die Geschichte des Ortes und der Region was erzählen können.

00:04:42: ab

00:04:42: welchem Alter fanden sie das gut?

00:04:46: Man kannte es ja nicht anders.

00:04:48: Für mich war das immer normal, dass die Orte auch eine Geschichte haben, die dann dazugehört und den Ort geprägt haben, womit auch etliches dann erklärbar wird, was man vor Ort vorfindet... Ganz ganz natürlicherweise sozusagen dann das Interesse dafür auch entwickelt.

00:05:08: in der Schule war ich gut, in dem Fach hab's dann auch studiert Magisterstudium Geschichte und Kulturwissenschaften In Freiburg dann den Abschluss gemacht.

00:05:17: daher kannte ich die Gegend hier unten ein bisschen schon.

00:05:20: Und ja dann habe ich da eine dreijährige Archivausbildung dann noch oben drauf gesetzt.

00:05:26: Das muss also auch sein Diplomabschluss.

00:05:34: Das war im Jahr zwei tausend dreizehnt, dann als das fertig war.

00:05:37: Dann war hier die Stelle gerade ausgeschrieben und da ich die Gegend ja schon kannte und es mir immer gut gefallen hat Ich bin gleich genommen worden.

00:05:48: und wie sie gesagt haben jetzt der dreizehn Jahre Schon hier und hab's nicht bereut also fühl mich immer noch wohl hier ist ein spannender beruf.

00:05:57: Ja Man kennt Archive ja, also klar jeder hat zu Hause wahrscheinlich auch so sein Archiv.

00:06:03: Jeder Ordner mit irgendeinem Dokument oder den Stammbüchern ist im Prinzip schon archivgut.

00:06:10: Warum ist denn ein Stadtarchiv für eine Kommune so wichtig?

00:06:14: Also warum ist es wichtig dass Kommunen ihre Dokumente so aufbereiten wie wir's eben auch tun?

00:06:23: Ja, es gibt immer diesen etwas pathetischen Ausdrucker das das Archiv, das Gedächtnis der Stadt.

00:06:30: Das stimmt im übertragenen Sinne natürlich auch.

00:06:33: Da ist sozusagen alles abgespeichert, was es eben an historischer Überlieferung gibt, was in der Stadt also zumindest in der städtischen Verwaltung entstanden ist.

00:06:47: und ja das ist dann natürlich so die zentrale Anlaufstelle sage ich mal wenn man sich über die eigene Geschichte bewusster werden möchte.

00:06:58: Ich hatte vorhin angesprochen, dass ich vor allen Dingen dafür da bin, Benutzer zu bedienen sozusagen.

00:07:06: Dass es sich auch zurechtfinden hat drin – das Archiv ist ja grundsätzlich erstmal im Raum wo ein Haufen Papier drin ist und dafür braucht's eben jemanden der den Zugang verschafft, der weiß wo was ist also der für diese Aufwindbarkeit sorgt.

00:07:18: Eine andere Sache ist natürlich die Öffentlichkeitsarbeit.

00:07:23: Da haben wir auch regelmäßig Veranstaltungen, dann um eben die Bürgerinnen und Bürger über die Geschichte auch ganz plastisch aufbereitet zu informieren.

00:07:35: Vorträge, so genannte Archivworkshops da findet jetzt nächste Woche wieder einer statt.

00:07:43: Wir haben Ausstellungen immer mal wieder zu historischen Themen Genau.

00:07:48: Da wird dann halt immer auf das Archiv gut zurückgegriffen, natürlich was wir hier haben und es kommt an sich immer sehr gut an.

00:07:56: also man merkt schon dass das Interesse einfach in der Vergangenheit auch

00:08:01: Sie haben es eingangs gesagt, dass die natürlich die erst urkundlichen Erwähnungen wie man immer so schön sagt.

00:08:08: Dass die auf so Mitte vierzehntes Jahrhundert datieren aber das ein Großteil eben Dokumente sind aus dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert jetzt ist ja auch Dokument einen Sammelbegriff wenn wir's mal versuchen ganz konkret zu machen.

00:08:19: welche Papiere finde ich denn bei Ihnen?

00:08:21: Ja also die klassischen drei Archivalien Gattung sag ich mal sind die Akten Urkunden- und Amtsbücher.

00:08:31: Amtsbücher ganz kurz erklärt, dass das alles was fortlaufend ist.

00:08:36: Wo man also nicht sagen kann, dass es jetzt abgeschlossen wird.

00:08:38: Personenstandsregister, Meldunterlagen, Ratsprotokolle solche Sachen.

00:08:46: Die Urkunden darunter verstehen wir hauptsächlich diese mittelalterlichen Urkunde und wo dann immer eine Rechtsfolge mit verbunden war.

00:08:56: Und die Akten, das ist dann das was so um Fünfzehnhundert etwa einsetzt.

00:09:00: Das ist im Prinzip alles was eben vor diesem abschließenden Beurgkundungsakt läuft.

00:09:08: Also da ist ja das gesamte Verwaltungshandeln gewässermaßen dokumentiert.

00:09:14: Das sind so die drei klassischen Typen.

00:09:16: daneben haben wir noch sehr wichtig.

00:09:20: Überlieferungen, also wir haben ein paar Foto-Nachlässe hier von historischen Fotoateliers aus Walzut und Tingen.

00:09:27: Sehr gefragte Quelle vor allen Dingen für die Presse.

00:09:29: Umbedingter,

00:09:30: klar!

00:09:31: Bebilderung ist natürlich immer sehr wichtig.

00:09:35: Und die Zeitungsüberlieferung ist auch ein sehr wichtiger Bestand.

00:09:38: Also ab ungefähr eighteenhundertfünfzig haben über den Altboten hier dann die ganzen anderen Zeitungen, die es im Laufe der Zeit gegeben hat Neue Walzutterzeitung Südkorea und so weiter.

00:09:49: Das ist natürlich auch sehr viel genutzt.

00:09:52: Ja, ja.

00:09:55: Drennt man sich auch von Dingen?

00:09:56: Also gibt es da auch so Inventuren dass man sagt okay die Dokumente...

00:10:02: Was einmal im Archiv ist was also von einem Archiv war dann als Archiv gut ...deklariert wurde.

00:10:11: Das bleibt auch im Archiv, also bis es eben von selbst zerfällt.

00:10:16: und gerade bei Papier ist das ja immer das Problem, dass das eben keine ewige Lebensdauer hat.

00:10:23: Kommen wir vielleicht gerade noch in Zusammenhang mit der Digitalisierung nochmal auf zurückkommt, aber um das noch zu Ende zu führen... Also das Archivgut bekommen wir aus der Stadtverwaltung Zum größten Teil zumindest.

00:10:38: Es gibt auch ein paar Nachlässe natürlich von privater Seite kommen, von Vereinen wenn die Vereine aufgelöst werden oder wie gesagt Privatnachlässo das gibt es auch eine sehr schöne Quelle immer sehr gute Ergänzung dann wenn man sowas noch dazu bekommt.

00:10:52: aber an normalerweise ist eben der übliche Weg es wird innerhalb der Verwaltung in den einzelnen Ämtern und Abteilungen Schrift gut ausgesondert, weil eben Aufbewahrungsfristen abgelaufen sind.

00:11:03: Und dann kommt das Archiv ins Spiel.

00:11:05: also es darf nicht einfach irgendwas entsorgt werden ohne dass nicht das Archif das okay gegeben hat sozusagen.

00:11:12: Das ist gesetzlich auch vorgeschrieben und dann wird von meiner Seite die Bewertung vollziehen.

00:11:18: Ist das was mir angeboten wird archivwürdig?

00:11:23: Also ist da ist das von historischem Interesse sag ich mal.

00:11:28: Und wenn ja, dann kommt es ins Archiv.

00:11:31: Dann geht dieses ganze Prozedere los was ich so angedeutet habe.

00:11:35: Die technische Bearbeitung die Erschließungen und die Einlagerung die Aufbereitung usw.

00:11:42: Und sehr oft ist das aber natürlich auch der Fall dass sich das Sachen nicht archiv würdig sind.

00:11:47: Dann werden sie also nicht übernommen und da müssen wir dann auch vorschriftsmäßig entsorgt werden.

00:11:51: Also nicht einfach nur in in die Mülltonne, sondern die werden wahrscheinlich geschreddert.

00:11:55: Ja genau gerade wenn personenbezogene

00:11:57: Daten betroffen sind und so, dann muss das geschreddet

00:12:00: werden.

00:12:03: Ich blaude jetzt ein bisschen aus dem Nähekästchen.

00:12:05: Sie sehen es mir nach?

00:12:06: In unserem Vorgespräch auf diese Aufnahme haben wir schon über die Frage gesprochen dass ich natürlich trotzdem wissen will was ist so ein spannender Fund im Archivfall zu tingen?

00:12:19: Und da hatten sie so'n bisschen gehadert mit der Frage, weil die auch Journalistinnen und Journalisten natürlich immer gerne stellen.

00:12:25: Und gesagt naja also ... Was erwart... Also was könnte man denn erwarten in so nem Archiv?

00:12:31: Ich frag Sie jetzt.

00:12:31: aber trotzdem gibt es eine Sache wo Sie im Laufe dieser dreizehn Jahre oder vielleicht ganz am Anfang als Sie ne Bestandsüberblick sich gemacht haben, wo Sie gesagt haben oh das schützt aber interessant aus welchen Gründen auch immer Ein besonderer Schriftssatz, ein besonderes Urkunde.

00:12:48: Ja gut, ich würde mich da eigentlich gar nicht so gerne festlegen wollen auf irgendeine Lieblingsquelle oder so und es kommt ja immer auf den eigenen Forschungsgegenstand oder das eigene Interesse auch ein bisschen drauf an.

00:13:00: Es gibt natürlich zu allen erdenklichen Themen Sachen die man findet.

00:13:06: Wie gesagt ist es jetzt schwierig was herauszunehmen bei Führungen dann den Leuten zeige sind solche Quellen, die einen besonderen Schauwert haben.

00:13:17: Wie jetzt irgendwelche Kaiser-Uhrkunden aus ein dickes Wachsiegel dranhängen.

00:13:20: Ja klar.

00:13:22: Solche Sachen natürlich, die werden da ein bisschen hervorgehoben weil sie auch optisch einfach was hermachen.

00:13:27: Inhaltlich ist das aber meistens sogar gar nicht besonders spannend.

00:13:30: Wir sind an Bestätigung von irgendwelchen Rechten, die es sowieso vorher schon gegeben hat und...

00:13:35: Aber es sehen halt gut

00:13:36: aus!

00:13:37: Sieht halt gut Aus ja genau.

00:13:38: Aber ansonsten, es kommt wirklich drauf an Wo jetzt das Interesse liegt, und das ist ja bei jedem auch ganz anders.

00:13:45: Also wenn die Leute zu mir kommen will jeder irgendwas anderes von mir.

00:13:49: Das macht ihr auch ein bisschen Reis des Berufes aus.

00:13:52: Und deswegen würde ich das gar nicht so hier reichig sein wollen.

00:13:55: Ich habe meine Schuldigkeit getan und hab sie gefragt machen wir einen Haken dran?

00:14:00: Genau!

00:14:01: Ja gerade eben haben Sie es schon stichwortartig angerissen Altes Papier im Archiv, ja das ist das eine.

00:14:07: Das andere ist aber eben ein großes Thema was man sich vielleicht auch nicht so vorstellt.

00:14:11: Digitalisierung tatsächlich also auch die Archivarbeit hat sich natürlich über die Jahre verändert und nutzt neue Möglichkeiten und Technologien.

00:14:20: Können Sie da vielleicht auf die Veränderungen eingehen?

00:14:24: Und auch auf den Mehrwert dass es für die Besucher auch hat?

00:14:30: Ja klar, die Digitalisierung ist in zweifacher Hinsicht ein großes Thema.

00:14:35: Das eine ist natürlich dass viele Unterlagen mehr und mehr, ich spreche jetzt über Unterlagen der Stadtverwaltung gar nicht mehr im Papierform entstehen sondern in rein digitaler Form erzeugt werden und das auch bei behalten.

00:14:54: Für solche Unterlagen haben wir vor ein paar Jahren schon ein digitales Magazin eingerichtet, also Magazin das ist immer der Aufbewahrungsort von den Unterlagen.

00:15:02: Das ist einfach das was so landläufig als Archivraum eben bezeichnet wird, dass es für die Papierunterlagen und das Gleiche haben wir dann in der digitalen Welt auch noch mal.

00:15:12: Es ist im Moment noch nicht so prallbefüllt aber das wird dann kommen sobald die digitale Akte... Stichwort

00:15:18: E-Akte genau!

00:15:20: Sobald das dann mal ein paar Jahre am Laufen ist.

00:15:23: Das andere und das ist das, was an sich für die Öffentlichkeit auch interessanter ist.

00:15:29: Das sind Unterlagen, die ursprünglich im originalen Papierform ins Archiv gekommen sind, die dann aber von uns eingescannt werden und den Benutzern eigentlich in digitaler Form nur noch präsentiert werden.

00:15:47: Ein Grund ist... Ja der Bestandschutz einmal, dann durch die Benutzung werden Unterlagen natürlich auch nicht besser.

00:15:55: Grundsätzlich ist immer das Problem mit dem ligninhaltigen Papier also holzhaltigem Papier, dass sich ja wie gesagt von selber zersetzt und so weiter.

00:16:04: Das ist dann auch eine Form der Informationsrettung und es erleichtert natürlich enorm die Recherche.

00:16:10: Also das erste was wir digitalisiert haben waren die Personenstandsregiste weil sie auch sehr häufig genutzt werden.

00:16:17: Also früher war es immer so ein Drittel der Archiv-Anfragen.

00:16:22: Das traf Familienforschung, nur Leute die ihre Vorfahren herausfinden wollten oder als sonstiges Interesse an Personenstandsregistern hatten.

00:16:32: Genau und das war also der erste Schritt.

00:16:35: Dann kam jetzt seit ein paar Jahren das große Projekt der Zeitungsdigitalisierung.

00:16:39: Zeitungspapier ist ja der schlechteste Papier was wir im Archiv haben natürlich.

00:16:43: Und ja, das ist ein großer Erfolg.

00:16:46: Sag ich mal, dass haben wir jetzt seit ein paar Monaten auch online bestellt.

00:16:50: Das sind wie gesagt ab achtzehnundfünfzig geht es los die Zeitung dann bis zum Jahr neunzehntneinundvierzig.

00:16:56: alle Jahrgänge haben wir noch nicht online aber den größten Teil.

00:17:00: Ja und es wird sehr gut angenommen da kann man jetzt eben nach Suchbegriffen dann recherchieren und sehr viele Rückmeldungen habe ich schon bekommen von Leuten die auch sehr glücklich darüber sind.

00:17:11: Was jetzt ganz neu ist, das läuft seit eigentlich wenigen Tagen erst.

00:17:16: Ist ein weiteres Angebot was mit Digitalisierung zu tun hat.

00:17:21: Problem ist ja für die Benutzung dass der größte Teil unserer handschriftlichen Quellen, natürlich in der alten deutschen Handschrift geschrieben ist.

00:17:31: Die sich ja erheblich unterscheidet von unserer heutigen Schrift.

00:17:34: Das sind die Schriften, die dann aus dem Jahr nineteen und vierzig abgeschafft wurden.

00:17:37: Einige Buchstaben sind komplett anders als die, die wir heute als Handschrift eben kennen.

00:17:45: Die meisten Leute können es nicht mehr lesen außer vielleicht einige ältere Personen noch.

00:17:50: Und das ist dann ein sich der größtes Teil von unserem Archivgut, was also mit dieser Hürde eben belastet ist.

00:17:58: Wir haben jetzt mit KI-Unterstützung die Möglichkeit geschaffen, so ein hochwertiges Transkriptionsmodell zu benutzen.

00:18:08: Also sprich wenn sich die Leute für irgendwas interessieren aus dem Archiv, was in der alten Handschrift ist dann können wir das direkt einscannen und dieses Programm überträgt.

00:18:23: Also für heutige Augen.

00:18:25: Großartig,

00:18:26: ja.

00:18:27: Genau also wie gesagt läuft erst ein paar Tage, sind wir mal gespannt wie es angenommen wird.

00:18:32: aber das ist eigentlich fast schon revolutionär möchte ich sagen.

00:18:36: also vor ein paar Jahren hätte ich mir das gar nicht vorstellen können.

00:18:38: also Druckschriften das war schon länger halt möglich dass man OCR-Erkennung dann das überträgt Aber mit Handschriften Unfassbar, wie gut das mittlerweile auch mit KI eben schon läuft.

00:18:53: Und auch wahrscheinlich mit unleserlichen Handschriften oder?

00:18:55: Also ich denke jetzt an so... Ja,

00:18:57: sagen wir mal wo die ordentliche Schreiberhand war umso besser ist natürlich das Ergebnis.

00:19:02: Wenn da eine total gegratelt hat dann kann es natürlich auch sein dass da das ein oder andere immer noch falsch aufgelöst wird.

00:19:09: Aber zur Not bin ich ja auch noch da.

00:19:11: Und es erleichtert Ihre Arbeit, könnte ich mir vorstellen?

00:19:12: Doch aber auch oder?

00:19:13: Also wenn Sie beispielsweise aus einem Privatnachlass Briefe bekommen, aus Weltkriegen oder wie auch immer... Ja!

00:19:20: Ich bin in der glücklichen Situation, dass sich die Schrift halt lesen kann.

00:19:25: Also für mich persönlich ist das jetzt nicht die Riesenerleichtung, aber eben für sehr viele Leute, die es eben nicht können.

00:19:35: Stichwort Öffentlichkeit und Besucher.

00:19:38: Wer kommt denn so ins Stadtarchiv?

00:19:40: Also ich könnte mir vorstellen, Schulklassen und historisch interessierte dann auch gewisse Nutzergruppen eben Presse für die es wichtig ist oder auch mal einen Verein der seine... aber kommt auch kommen auch einfach mal Privatleute, die sagen.

00:19:52: Ich hab jetzt mal Lust zwei Stunden mich mit der Eingemeindung zu beschäftigen oder mit... Ja,

00:19:59: Eingemindung genau das war ja letztes Jahr ein großes Thema.

00:20:02: da hatte ich in der Tat auch Leute, die sich dafür interessiert haben.

00:20:08: Ich habe schon angesprochen also es war immer so bei einem Drittel etwa die Leute die mit dem Anliegen ins Archiv kommen Familienforschung zu betreiben.

00:20:18: Das ist Der ist ein bisschen zurückgegangen, gibt immer noch monatlich mehrere Leute die mit dem Anliegen zu mir kommen.

00:20:29: Sehr vieles Nachfrage nach Bauakten.

00:20:33: also da ist auch im Bestand nicht so unbedingt auf dem Schirm.

00:20:36: das Archiv gut und die Baupläne zur alten Walzhutter Gebäude.

00:20:41: dann ja dass es natürlich sehr privates Interesse dann immer zu historischen Themen.

00:20:51: Also kommen in der Tat auch beispielsweise Studierende von Universitäten, die jetzt hier ursprünglich herkommen und dann Themen bearbeiten, wo sie sich erinnern können ja mal was über unsere Heimatregion machen.

00:21:07: genau also es sind Wenn wir über die Zahlen vielleicht

00:21:12: sprechen

00:21:12: wollen, pro Jahr habe ich etwa hundertfünfzig Direkt-Benutzungen.

00:21:16: Also Leute, die eben tatsächlich zu mir dann in den Benutzerraum kommen entweder am benutzer PC oder am benutzter Tisch wenn es um die Papierunterlagen geht.

00:21:26: das sind dann normalerweise Fälle wo die Recherche also etwas länger dauern.

00:21:31: ja da ist es dann am besten Wirklich man kommt einfach her und schaut sich das vor Ort an, sich dann so viel Zeit wie man braucht.

00:21:41: Und daneben gibt es da noch etwa fünfhundert bis fünfundfünfzig Anfragen, die ich bekomme per E-Mail oder per Telefon, die beantworte ich selber.

00:21:51: Das sind also Recherchen, die relativ einfach gehen, wo das jetzt zuviel verlangt wäre, die Leute herzubestellen.

00:21:59: Dann mache ich das selber und die kriegen dann auch per Telephone oder per E mail ihre Antworten.

00:22:05: Aber könnt ihr noch ein bisschen mehr sein?

00:22:07: Also gerade die Direktbenutzung, kann man dazu einladen

00:22:09: oder aufrufen.

00:22:11: Noch viel mehr muss es eigentlich gar nicht sein denn ich bin ja alleine im Archiv.

00:22:15: also Benutzungen nimmt schon oder Anfragenbearbeitung nimmt schon viele Zeit in Anspruch.

00:22:22: daneben muss sich ja noch viele andere Sachen erledigen.

00:22:24: wie gesagt Die Erschließungsarbeit ist sehr wichtig die Bewertung Man kommt immer wieder Sachen an geboten man hat Veranstaltungen die vorzubereiten sind.

00:22:35: Ich muss Akten hin und her tragen, Akten säubern.

00:22:37: Also ich mache eigentlich alles von wissenschaftlicher Forschung bis hin zu solchen sehr handfesten Tätigkeiten sagen wir mal Genau, also ich bin doch schon ganz gut ausgelassen.

00:22:51: Aber nichtsdestotrotz wenn das jetzt jemand hört und sagt ja ich war noch nie im Archiv würde mich mal interessieren dann gilt natürlich trotzdem die Einladung.

00:22:59: sicherlich

00:22:59: das wollte ich nicht damit

00:23:03: unterdenken.

00:23:03: wunderbar Herr Donhauser.

00:23:06: Auch da über dieses Thema könnten wir wahrscheinlich noch Stunden reden.

00:23:09: Ich habe selbst auch Geschichte studiert und bin auch eine geschichtsinteressierte Person, aber wir müssen uns glaube ich ein bisschen an die Zeitvorgabe halten.

00:23:17: Aber eine Schlussfrage, die möchte ich Ihnen wirklich sehr gerne stellen weil es mich persönlich sehr interessiert wenn Sie in eine Zeitkapsel steigen könnten, eine Zeitmaschine und zurückreisen könnten in einer Epoche, in einem Jahr, in einen Jahrzehnt vielleicht Wenn es geht, auch weil zu Tingen beschränkt.

00:23:34: Ansonsten natürlich auch auf jede andere Region welche Epoche wäre das?

00:23:38: Was würde sie interessieren wo Sie sagen da würde ich gerne mal so einen Tag da wäre ich gern dabei gewesen.

00:23:47: Ja also eigentlich bin ich ganz zufrieden mit der Zeit in der wir leben natürlich auch so ihre dücken aber Die Lebensverhältnisse in früheren Zeiten waren natürlich schon hart.

00:24:00: Insofern würde ich ungern tauschen mit jemandem aus einer früheren Zeit, aber von der Zeitmaschine ist mal abgesehen das was mich am meisten interessiert als frühe Neuzeit.

00:24:15: Historiker ist dann die Epoche zwischen Fünfzehnhundert und Achtzehn Hundert

00:24:20: War aber auch nicht ganz gemütlich.

00:24:22: Nein, wie gesagt ich schaue mir das auch lieber von der Ferne aus.

00:24:26: Aber dass ist eben das was sich ja auch gerade bei Walzut-Tingen letztlich am spannendsten finde.

00:24:31: wir haben ja da quasi zwei Landesgrenzen durch unser Stadtgebiet laufen in Walzuth als vorderösterreichische Amtsstadt Tingen als Hauptstadt eines kleinen Territoriums ist damit schloss und war ja Residenzstadt dann gewesen, das Landesherrn und die kleineren östlichen Ortsteile.

00:24:53: Die zum Klostersangblasien gehört haben also drei ganz verschiedene Territorien mit ganz unterschiedlicher Prägung auf die jeweiligen Ortsteilen.

00:25:05: Das ist die Epoche, die ich am spannendsten finde weil man da auch vieles an Erklärungen findet warum dass es in dem einen Ort so ist.

00:25:17: Das

00:25:19: ist ja auch immer toll, wenn man sich mit Geschichte beschäftigt und diesen Rückschluss hat, wie haben sich Dinge entwickelt?

00:25:25: Und warum sind gewisse Dinge heute, wie sie vielleicht vor hundert oder noch länger jahren waren?

00:25:33: Sehr schön!

00:25:33: Herr Donhauser, vielen Dank.

00:25:35: mir hat die Folge großen Spaß gemacht und ich glaube für unsere Zuhörerinnen und Zuschauer war das ein ganz spannender Einblick Und ich hoffe, ihr habt es genossen.

00:25:46: Schaut's euch an und wir hören uns sehen uns in zwei Wochen wieder!

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